Zur Orientierung für Menschen mit Behinderungen

01.11.2011 / Gewerbe im Kiez

Auf der Suche nach der Poesie der Dinge

Wenn Sie Ihre Schritte durch die Friedenauer Stubenrauchstraße lenken, wird Ihnen, kurz bevor Sie den Südwestkorso erreicht haben, ein ungewöhnliches Ladenschild ins Auge fallen. unser ist in großen schwarzen Buchstaben darauf zu lesen und gibt zunächst ein Rätsel auf. Gönnen Sie sich aber ein wenig Muße und Sie werden mit der Entdeckung vielfältiger Schätze belohnt. Und genau das gehört zum Konzept von muse_store.
Mitarbeiter Young-Min Kim und Bettina Kabot. Foto: Thomas Protz

Der „Laden für Dinge und Anlässe“ bietet Liebhaberstücken ein vorübergehendes Zuhause, bis ein Kunde oder eine Kundin sie adoptiert, um sich oder anderen eine Freude zu machen.

Angenehme Gefühle zu verbreiten, scheint ein wesentliches Anliegen der Macher von muse_ store zu sein, denn Bettina Kabot sprüht nur so vor guter Laune, als sie uns im Gespräch die „Poesie der Dinge“ näher bringt. „Seit 1997 entwickeln wir, mein Mann Jörg Klambt ist Kunsthistoriker, ich bin als Betriebswirtin aus der Werbebranche mit im Boot, in erster Linie Museumsshops und Merchandising für Kulturinstitutionen. Mit dem Deutschen Guggenheim hat es angefangen und ganz aktuell sind wir im Bode-Museum bei den ‘Gesichtern der Renaissance’ vertreten. Unsere Arbeit verändert und erweitert sich ständig und das macht sie so lebendig. Wir entwickeln, produzieren und vertreiben unter anderen auch Gastgeschenke für das Auswärtige Amt, die von mittlerweile 120 Botschaften und Konsulaten angefordert werden. Ein Teil der Ideen stammt von Studenten vier verschiedener Universitäten, deren Artikel 2009 von einer Jury dafür ausgewählt wurden.“ Ein wenig Stolz über den Erfolg und viel Begeisterung schwingt mit, wenn Frau Kabot von der Zusammenarbeit mit den Künstlern, wie in einer Art Kreativwerkstatt, berichtet. Sehr glücklich ist sie über ihren Mitarbeiter Young-Min Kim, der ihr strahlendes Lächeln freundlich zurückgibt. „Er ist der gute Geist hier im Laden und reagiert auf Stress mit koreanischer Gelassenheit. Wir sind froh, dass ein junger Mann unsere Ideen vor Ort so überzeugend verkörpert.“ Im unser herrscht offenbar ein Arbeitsklima, wie man es sich nur wünschen kann, und die entspannte Atmosphäre überträgt sich auf die Kunden. Hier können sie stöbern, ohne zum Kauf gedrängt zu werden.

„Wir haben ein ganz gemischtes Publikum in allen Altersgruppen“, erzählt Bettina Kabot, die ihr Büro über dem Laden hat. „ Männer, die das passende Geschenk suchen, Künstler, die hier leben, Spaziergänger, die spontan hereinkommen und eine ehemalige Design-Professorin schaut sich hier in ihrem „Kiezladen“ immer wieder gerne um. Das unser ist zudem ein Treffpunkt, um Gedanken auszutauschen und ein Ort für Kunst, die in der Nachbarschaft hergestellt wird und die wir hier gelegentlich auch zeigen.“

Das Ehepaar Kabot/Klambt war zunächst nur auf der Suche nach geeigneten Büroräumen gewesen und dann an der Ecke Südwestkorso fündig geworden. Alt eingesessene Friedenauer erinnern sich noch, dass in dem heutigen Projektbüro eine „Tante Emma-Drogerie“, wie es sie heute nicht mehr gibt, zu Hause war. Dafür haben wir seit 2008 in der Stubenrauchstraße 46 einen Tante Emma Design-Laden mit „dem Besten aus Berlin, Paris, Tokio und New York.“ Kleine, manchmal charmante, gelegentlich hintergründige, zuweilen bissige Objekte aus den Museumsshops von muse_store suchen hier neue Besitzerinnen und Besitzer. Sind das nun Multiples, bloße Geschenkartikel oder ist es tatsächlich Kunst? „Diese Fragen freuen uns besonders, denn wir wollen in keine Schublade passen“ entgegnet Bettina Kabot. In der Ladengestaltung wird jedoch der künstlerische Anspruch sichtbar: „Die Dekoration besteht zum Teil aus Museumsgegenständen und jeder Raum ist für sich anders konzipiert. Die Schaufensterauslage greift aktuell das Thema „Schatten“ auf, mit dem wir dann spielen und anschließend wird „Bestrickendes“ zu sehen sein“, erfahren wir und dass sie Gründungsmitglied der Südwestpassage e.V. ist. Im Rahmen der  Südwestpassage Kultour am 19. und 20. November 2011 wird im unser die Daumenkino-Ausstellung „Abgeblättert“ gezeigt. Berliner Daumenkünstler erzählen dann ihre Geschichten und gleichzeitig findet der FIndlKindl Markt Nr. 2 statt. Bei Musik und Wein kann nach Geschenkwaisen und Design-Unikaten gefahndet werden, die zum Winter noch eine neue Heimstatt suchen. „Wissen Sie“, sagt uns die Chefin am Ende des Gesprächs,  „ich lebe und arbeite super gern hier. Im Laden wird so viel gelacht oder geschmunzelt über die Dinge, die man hier kaufen kann und das  finde ich schön.“ Das finden wir auch und kommen gerne wieder. Die Poesie der Dinge hat uns berührt.

Öffnungszeiten:
Dienstag - Freitag 11–18:30 Uhr
Samstag 11–16 Uhr
Stubenrauchstraße 46/
Ecke Südwestkorso

Sibylle Schuchardt

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