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03.02.2013 / Menschen in Schöneberg

Askania - das präzise Ticken von handgefertigten Uhren in Friedenau

Hört man den Namen Askania, denkt der historisch Bewanderte an das alte Adelsgeschlecht, das unter Albrecht dem Bären Brandenburg und später Sachsen regierte.
Leonard Müller. Foto: Hartmut Becker

Askania ist aber auch eine alte, 1871 von Carl Bamberg in Friedenau gegründete Feinmechanikfabrik, die mit Uhren startete und in ihren besten Tagen bis zu 15.000 Mitarbeiter beschäftigte. Bereits die kaiserliche Marine orderte Chronographen, Schiffsuhren und Kompasse. Mit dem Aufkommen der in dieser Zeit beginnenden Luftfahrt erschloss sich ein weiteres Unternehmensfeld für das aufstrebende Unternehmen. Kreiselkompass, Borduhren, Wendezeiger und Höhenmesser waren Präzisionsgeräte, die das Friedenauer Unternehmen mit dem damaligen Sitz in den Askaniahöfen an der Bundesallee weltweit auslieferte.
Dies war auch die Zeit, in der sich der Stummfilm zum Film mit Ton entwickelte und immer mehr Menschen in seinen Bann zog. Askania erkannte die sich bietende Chance im Filmmarkt und entwickelte mit seinen Feinmechanikkenntnissen leise surrende Filmkameras und Filmprojektoren, die vor allem von der UfA geschätzt wurden. Filme wie „Der Blaue Engel“, „Quax, der Bruchpilot“ und „Die weisse Hölle von Piz Palü“ wurden mit Geräten der Askania produziert und wiedergegeben.

Der wohl bekannteste Flugpionier, der für Askania stand, war Elly Beinhorn, die mit ihren gewagten Flugabenteuern die damalige Welt in Atem hielt. Mal war sie verschollen in Afrika, flog in Rekordzeit nach Australien und zum Bosporus und umrundete als erste Frau 1932 im Alleinflug die Welt. Die Askania gilt also zu Recht als eine Fliegeruhr der ersten Tage.

Auch heute noch schätzen Piloten die Askania-Uhr, die dank Leonhard Müller wieder produziert wird. Knapp 100 Jahre nach der Gründung mussten die Askania Werke schließen, weil sie wegen  steigendem Kostendruck nicht mehr konkurrenzfähig waren, und wurden von Siemens übernommen. High-Tech-Werke in Rosenheim und am Bodensee wurden ausgegliedert und von anderen Unternehmen übernommen. Die Askania Werke Teltow VEB, in der ehemaligen DDR, produzierten noch bis in die 80er Jahre des letzten Jahrhunderts, unter anderem Heizungsregelungen.

Aber 2004 erlebte die Uhrenmarke ihr Revival. Wie könnte es anders sein, kam der Neugründer aus der Uhren- und Schmuckmetropole Pforzheim.

Als Leonhard Müller eines Weihnachtstages ein Buch mit alten Militäruhren geschenkt bekam, entdeckte er die Marke Askania, für die er sich zu interessieren begann. Gesagt, getan – er sicherte sich die Namensrechte Askania von Siemens und er ersteigerte mehrere Bände der bis 1964 gedruckten Askania Werkszeitung, um alles Wesentliche über das Unternehmen zu erfahren. Im heimischen Pforzheim ließ er dann zwei mechanische Uhren fertigen. Auf einem kleinen Stand der ILA 2004 ausgestellt, wurden die beiden Prototypen zum Publikumsrenner. Dieser Erfolg bekräftigte Leonhard Müller, nach Investoren zu suchen und ab 2006 in der Roennebergstrasse (nahe der alten Askaniahöfe) die Produktion zu starten.

Aus den beiden Start–Exemplaren sind bis heute weit über 10.000 Exemplare geworden. Das Unternehmen produziert wieder zwischen 2.500 und 3.000 Uhren pro Jahr und beschäftigt 15 Mitarbeiter, davon 3 fest angestellte Uhrmacher. Das Design der Uhren ist zwar neu, entsteht aber mit deutlicher Anlehnung an die alte Aska-nia-Tradition.

Aber auch Rückschläge hat das „junge“ Unternehmen schon erlebt: 2011 zerstörte ein Brand die Produktionsanlagen in der Roennebergstraße, und das Flughafendebakel BER hinterließ seine Spuren, mit zwei geplanten und bisher nicht eröffneten Geschäften. Diese Rückschläge hatten jedoch keine große Wirkung auf die Motivation des sympathischen Unternehmers. Wer das Risiko nicht scheut, fernab der Heimat ein altes Unternehmen mit neuem Lebensgeist zu erfüllen, lässt sich auch nicht von solchen Widrigkeiten erschüttern.

Auch das Filmgeschäft tangiert die neue Askania wieder. In Zusammenarbeit mit seinem Freund und Landsmann Dieter Kosslick entstand die Idee einer Berlinale Uhr. Seit 2008 gibt es den Askania Award, der im Vorfeld der Berlinale Filmfestspiele an Filmschaffende und Schauspieler verliehen wird. Der fünfte Askania Award ging am 07.02.2012 an die Schauspieler Armin Rhode und Rosalie Thomass. Aber auch Arnold Schwarzenegger, George Lukas und der Scheich von Oman sind bereits im Besitz einer eleganten, handgefertigten Askania Uhr. Wir sind gespannt, wer den Award dieses Jahr 2013 bekommen wird.
Nicht zuletzt ist die Askania Uhr auch die „Hauptstadtuhr“, die der Regierende Bürgermeister von Berlin, Klaus Wowereit, an Staatsgäste verschenkt, da ist Qualität und Exklusivität gefragt – und die Marke Askania ist untrennbar mit Berlin verbunden.

Wer auch ein Exemplar erwerben will, kann aus einer feinen Kollektion edler Uhren wählen. Die Preisspanne reicht von 300-600 Euro für Uhren mit Quarzwerk bis zum jährlichen Sondermodell Quadriga mit mechanischem Uhrwerk, die golden bis zu 25.000 Euro kostet. Die Kosten für eine Uhr mit Mechanik liegen bei 1.000 – 3.500 Euro. All diese Kostbarkeiten, und alte Askania Geräte, sind in einem Askania eigenen Museum zu besichtigen.

Museum: Askania Welten
Roennebergstr. 3a, 12161 Berlin
Öffnungszeiten: Montag-Freitag 9-17 Uhr
www.askania-berlin.de

Thomas Geisler

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