Zur Orientierung für Menschen mit Behinderungen

25.02.2014

Anna Haase – Schöneberger Original

Stadtführerin, Drehorgelspielerin, Kostümbildnerin, Toilettenkennerin und was noch?

Anna Haase an der Drehorgel. Foto: Privat

Stadtteil-Zeitung: Frau Haase, wie wird man so vielseitig?
„In der DDR war ich nach meinem Slawistikstudium an der Humboldt – Universität in verschiedenen Bereichen der Modebranche tätig, wurde später dann zunächst Kostümbildnerin an der Komischen Oper und war  dafür zuständig, dass die Kostüme aufführungsgerecht auf die Bühne kamen. Nach meinem Ausreiseantrag musste ich dann im gleichen Opernhaus bis zu meiner Ausreise im Juni 1989 die Tätigkeit einer Garderoben- und Toilettenfrau ausüben. Nach dem  9. November 1989 bot sich mir - im nunmehr wiedervereinigten Berlin - die Chance, über den Berlin-Guide-Verband e.V. die Ausbildung zu einer zertifizierten Stadtführerin erfolgreich ab-zuschließen.“

S.Z.: Stadtführerin – u.a. auch in Schöneberg – ist gegenwärtig Ihre Haupttätigkeit. Dabei haben Sie auch viele originelle Orte in Ihrem Programm. Welche sind das?
„Über siebzig thematische Stadtrundgänge habe ich in meinem Programm, darunter auch Kieztouren in Schöneberg, durch das Bayerische Viertel, über den Dorfkirchhof Schöneberg, die Zwanziger Jahre in Schöneberg, aber auch kulturelle und politische Führungen in allen Teilen der Stadt. Beliebt sind u.a. auch meine Drehorgelführungen mit Musike über den KuDamm, „Berlin die Stadt der Spionage – gestern, heute und morgen“, eine „Rotlichtführung“ und auch die „Tour de Toilet“ zur Geschichte der Berliner Hygiene- und Toilettenkultur, die dem „Welt-Toiletten-Tag“ gewidmet ist.“

S.Z.: Am „Welt-Toiletten-Tag“ – so was gibt`s wirklich – haben Sie ja auch für eine neue „Toilettenkultur“ in Berlin plädiert. Warum?
„Am 19. November eines jeden Jahres gibt es den „Welt-Toiletten-Tag“. (*Anmerkung: Offiziell am 24. Juli 2013 von der UNO eingeführt. Ziel: Verbesserung der sanitären Anlagen als Maßnahme  gegen Krankheiten durch verunreinigte Abwässer und zum Schutz des Trinkwassers.). Berlin mit seinen vielen Millionen Touristen  geht mit der Notdurft dieser Menschen (aber auch der seiner eigenen Einwohner) stiefmütterlich um, denn Toiletten muss man ewig suchen und immer Kleingeld parat haben. Dabei muss jeder  Mensch durchschnittlich sechsmal täglich seine wie auch immer geartete Notdurft verrichten. Hierzu möchte ich mit der „Tour de Toilet“ auf die Probleme der fehlenden Toiletten aufmerksam machen.“

S.Z.:  Sie haben auch die Initiative der „Internationalen Drehorgelfreunde Berlin“ zur Aufnahme des Drehorgelspiels in das „bundesweite Verzeichnis des immateriellen Kulturerbes“ angeregt. Was heißt das im Klartext?
„Aus Liebe zur Musik – ich habe als Kind früher Geige gespielt – habe ich mir einen Herzenswunsch erfüllt und 2009 eine Drehorgel gekauft. Die Moritaten und Bänkelgesänge passen gut zur Berliner Kulturlandschaft. 2012 hat der Präsident der Deutschen UNESCO Kommission – Walter Hirche - auf dem Deutschlandkongress der Stadtführer in Koblenz einen Vortrag über das „immaterielle Weltkulturerbe“ gehalten. Da habe ich gleich angefragt, ob dies auch für das Drehorgelspiel gelten würde. Nach dem positiven Bescheid wurde über die „Internationalen Drehorgelfreunde Berlin e.V.“ der Antrag auf die Aufnahme in das im-materielle Kulturerbe der Bundesrepublik  eingereicht. Kernpunkte des Antrags sind die Pflege des Drehorgelspiels und des Moritatengesangs. Diese Musik soll nicht zum Selbstzweck unterstützt werden, sondern  ein Bestandteil der musikalischen und politisch/sozialen Erinnerungskultur früherer Jahre sein.“

Hartmut Ulrich

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