Zur Orientierung für Menschen mit Behinderungen

3.05.2021

Aller (!) Anfang ist schwer

Von Ottmar Fischer. Die Erschwernisse eines Anfangs bekam auch der BVV-Vorsteher Stefan Böltes zu kosten, als er eine Stunde lang vergeblich versuchte, die Märzsitzung als erste digital durchgeführte BVV in Tempelhof-Schöneberg zu eröffnen.

Auferstehung des Birkenwäldchens. Foto: Elfie Hartmann

Der ausgewählte Anbieter YouTube präsentierte in einer Endlosschleife außer der ständigen Wiederholung eines einminütigen Versuchs, die Schaltungen mit zwei Bezirksverordneten probeweise einzurichten – nichts. Auch die Hilfestellung des amtlichen IT-Fachpersonals vermochte daran nichts zu ändern. Erst durch die spätere Zuschaltung eines weiteren You Tube-Kanals gelang schließlich doch Abhilfe, und nach der Einberufung des Ältestenrats wurde noch eine gekürzte Tagesordnung bewältigt. Da aber war die Geduld des Berichterstatters bereits erschöpft. Und weil auch die April-Sitzung wieder nach Redaktionsschluss stattfand, gibt es in dieser Ausgabe der Stadtteilzeitung keinen Bericht aus der BVV.

Stattdessen soll hier der Blick auf einen gelungenen Anfang gerichtet werden. Und der wurde von den Verantwortlichen in einer sonst im politischen Geschäft ganz unüblichen Bescheidenheit auch noch als „Teileröffnung“ vorgestellt. Denn bei kühlem Aprilwetter übergab Stadträtin Heiß (Grüne) in einer kleinen Feierstunde vor Ort den aufwändig restaurierten Perelsplatz der Öffentlichkeit, obwohl die Arbeiten noch nicht abgeschlossen sind, aber der Frühling bereits die ersten Blüten zum Vorschein gebracht hat, weswegen ein anfänglicher Erfolg der umfangreichen Arbeiten bereits sichtbar ist. Sie schloss ihre Eröffnungsrede mit einem Appell an die zukünftigen Nutzer: „Zur Würdigung gehört ein pfleglicher Umgang“, und übersetzte  dann scherzend noch ins Burschikose: „Trampeln Sie nicht darauf herum!“
Das war und ist freilich von den etwa zwanzig Anwesenden ohnehin nicht zu erwarten. Denn neben den höchst zufriedenen Anwohnern hatten sich mit Elisabeth Ziemer und Klaus-Henning Krosigk auch zwei führende Mitglieder des Vereins „Denk mal an Berlin“ eingefunden, die eine ehemals Schöneberger Bürgermeisterin, der andere ehemaliger Gartenbaudirektor. Wie zuvor von Stadträtin Heiß, wurde auch von ihnen die vorbildliche Zusammenarbeit des Grünflächenamts mit dem beauftragten Landschaftsarchitekturbüro von Anke Werner im Hinblick auf die denkmalpflegerische Sorgfalt belobigt. Alle drei Redner wiesen auf die besondere Schwierigkeit hin, das bereits 1907 angelegte Gartendenkmal auf eine Weise wieder herzustellen, die heutigen Besuchern das Erleben der Pflanzen in ihrem natürlichen Zusammenwirken mit Insekten und Vögeln anschaulich machen kann, ohne das Denkwürdige des Anfangs zu beschädigen.

Auf der sich an die Eröffnung anschließenden Begehung wurde dann der ganze Umfang der geleisteten Arbeit deutlich. Die Wege durch das Gelände wurden behutsam erneuert, die neu aufgestellten Bänke haben die grün gestrichene Gestalt des 19. Jahrhunderts, wenn auch nicht die der Alt-Friedenauer Tradition, so wie sie gleich nebenan am Brunnen noch stehen, und sogar die neu aufgestellten Papierkörbe sind nicht wie sonst üblich orange, sondern dunkelgrün gestrichen. Das ehemals lichte Birkenwäldchen war im Verlauf des vergangenen Jahrhunderts durch wild wuchernde und sich immer neu aussäende Eiben ständig dunkler geworden, die deswegen nun radikal zurückgeschnitten wurden, die aber an den stehengebliebenen Stüpfen wieder neu austreiben, was allerdings auch so sein soll. Denn das Gewordene gehört schließlich auch zur Geschichte eines Gartens. Und in großen Abständen wurden junge Birken gesetzt, um dem alten Namen neuen Glanz zu verleihen.

Die zurückgewonnene Helligkeit verdankt sich aber auch sonst der übersichtlichen Neugestaltung. An den Rändern neuer Rasenflächen wurden Hecken und Sträucher gelichtet und ergänzt, von denen zur Zeit die Zierjohannisbeere in voller Blüte steht. Wie Inseln ragen überall Wildstauden und Bodendecker aus dem Grün. Da ist als Frühjahrsblüher jetzt der Storchschnabel neben den Zaubernüssen zu sehen oder der gerade rosa blühende Duftschneeball neben der gelben Walderdbeere und dem Blausternchen. Das hier präsentierte Naturschauspiel zeigt erfreulicherweise, zu welchen Leistungen das Grünflächenamt fähig ist, wenn nur der politische Wille ihm auch die dafür nötigen Mittel zuweist. Die eingesetzten 750.000 Euro stammen allerdings nicht aus dem Bezirkshaushalt, sondern aus Sondermitteln. Dennoch: Das Zusammenwirken mit der Fachkompetenz des Büros Werner hat Bemerkenswertes im Sinne des Wortes hervorgebracht. Und auch die Nachsorge funktioniert: Während des Rundgangs war zu beobachten, wie zwei Gärtner der beauftragten Potsdamer GPL-Landschaftspflege hier unerwünschte Keimlinge entfernten. Soll das kunstvoll zusammengestellte Bild eines im Jahresverlauf funktionierenden Blütenwechsels erhalten bleiben, ist ein solcher Einsatz unerlässlich. Denn nur, wenn ein Garten das ganze Jahr über als Nahrungsquelle für Insekten zur Verfügung steht, bleiben uns auch die Vögel und ihr Gesang.

Der letzte von den fünf Abschnitten widmet sich dem Stück an der Handjerystraße und steht noch bevor. Aber auch dann soll noch nicht Schluss sein. Der benachbarte  Sintflutbrunnen und der Spielplatz sollen auch noch vorgenommen werden. Doch das ist eine andere Geschichte.

Kontakt

Stadtteilzeitung SchönebergHolsteinische Straße 3012161 BerlinStandort / BVG Fahrinfo
Stadtteilzeitung SchönebergHolsteinische Straße 3012161 Berlin
86 87 02 76 -79Fax 86 87 02 76 -72E-Mail senden
LeitungThomas Thieme0173/4825100E-Mail senden