Zur Orientierung für Menschen mit Behinderungen

/ Menschen in Schöneberg

Albert Einstein in Schöneberg

Von Christine Bitterwolf. Albert Einstein, weltberühmter Physiker und Nobel-Preis-Träger, wohnte 16 Jahre lang, von 1917 bis 1932, in der Schöneberger Haberlandstraße 5. Das Haus wurde im Krieg völlig zerstört. Heute steht dort das Haus mit der Nummer 8.
Einweihung der Einstein-Stele in der Haberlandstraße am 31.Mai 2013 mit der Bezirksbürgermeisterin Angelika Schöttler. Foto: Onni Thieme

Max Planck überredete Albert Einstein an die Preußische Akademie der Wissenschaften in Berlin zu kommen. Als Einstein die Stelle annahm, bemerkte er zu Freunden mit dem für ihn typischen Humor: „Die Herren Berliner spekulieren mit mir wie mit einem prämierten Legehuhn. Dabei weiß ich selbst nicht, ob ich überhaupt noch Eier legen kann.“ Er zog 1914 mit seiner Familie in die Villenkolonie Dahlem.

Wenig später scheiterte seine Ehe, und er bezog eine 2 Zimmerwohnung in Wilmersdorf. Einstein kam mit dem alltäglichen Leben alleine nicht gut zurecht. Nicht umsonst hatte er seine Ehefrau schriftlich angewiesen, sich um seine Wäsche zu kümmern und ihn mit regelmäßigen Mahlzeiten zu versorgen. Nun war er alleine und er nutzte die Zeit vorrangig für intensives und erfolgreiches Arbeiten, dabei vernachlässigte er allerdings sein Äußeres und seine Gesundheit.

Er wurde bald schwer krank. Kusine Elsa trat nun ganz offiziell in sein Leben und übernahm seine Versorgung und Krankenpflege. Im Laufe der Zeit intensivierte sich auch das persönliche Verhältnis zwischen ihnen. Deshalb besorgte Elsa, nach außen um die Pflege zu vereinfachen, für Albert eine Wohnung in dem Haus, in dem sie selbst wohnte. Diese kleine Wohnung lag zufällig genau neben ihrer eigenen.

Albert Einstein zog im September 1917 in die Haberlandstraße Nr. 5. Das Haus war das Eckhaus zur Aschaffenburger Straße, wo sich auch der Dienstboteneingang befand. In der Haberlandstraße war der repräsentative Eingang mit eigenem Portier. Das Haus hatte sogar schon einen Fahrstuhl.
Beide Wohnungen lagen in der 4. Etage. Einstein war mit der Situation sehr zufrieden. Er beschrieb seine neue Wohnung als geräumig und sehr behaglich. Beide, Albert und Elsa, waren sehr darauf bedacht, nicht ins Gerede zu kommen und vor allem Elsas guten Ruf nicht zu schädigen.

Einsteins erste Ehe bestand trotz der Trennung weiter. Seine Frau wollte sich nicht scheiden lassen. Erst als er ihr die gesamte Summe, die er für den Nobelpreis bekommen würde, als Abfindung zusicherte, willigte sie in die Scheidung ein.

Nachdem er Elsa im Juni 1919 geheiratet hatte, zog er in ihre Wohnung ein. Es war eine große Wohnung mit 7 Zimmern und Nebenräumen. Man hatte zwei Schlafzimmer, die Eheleute schliefen in getrennten Zimmern, ein Zimmer für Elsas Töchter, ein weiträumiges Speisezimmer, den Salon mit Balkon und Platz für einen großen Flügel und eine Bibliothek. Daneben gab es noch ein kleines Gästezimmer, ein Bad und eine separate Toilette, die Küche mit Speisekammer und Mädchenkammer.

Diese Räumlichkeiten wurden von vielen Seiten als großzügig und angemessen angesehen. Charly Chaplin soll sie  allerdings mit den ärmlichen Wohnungen in der Bronx verglichen haben.

Darüber hinaus baute er sich 3 Jahre später in dem über der Wohnung liegenden Dachboden ein Arbeitszimmer aus, das er üblicherweise als Turmzimmer bezeichnete. Hier konnte er ungestört von der Familie arbeiten und sich mit Freunden und Kollegen treffen. Das war ihm wichtig, zumal er weder an der Akademie noch am Kaiser-Wilhelm-Institut ein eigenes Büro zur Verfügung hatte. Neben dem eigentlichen Zimmer hatte er im Dach auch noch eine Abstellkammer und einen kleinen Raum für seine Bücherregale. Allerdings hatte er für das Turmzimmer keine Baugenehmigung beantragt, und so bekam er 1927 vom Bauamt die Aufforderung, die illegalen Räume wieder aufzugeben. Professor Einstein verwies darauf, dass er das Zimmer und den Treppenzugang auf eigene Kosten ausgebaut habe und er als namhafter Gelehrter einen Anspruch auf ein geeignetes Arbeitzimmer habe. Der Ausbau wurde daraufhin nachträglich anerkannt.

Ende 1932 reiste Albert Einstein mit seiner Frau nach Amerika und kam 1933 nach Hitlers Machtübernahme nicht wieder nach Deutschland zurück. Den größten Teil der Schöneberger  Wohnungseinrichtung konnte er noch durch die französische Botschaft in die USA überführen lassen.

Während des Krieges wurde das Haus völlig zerbombt und heute steht an derselben Stelle in der Haberlandstraße ein unscheinbarer ehemaliger sozialer Wohnungsbau mit der Hausnummer 8. Ein Mieter des Hauses, der hier ebenfalls in der 4. Etage wohnt, hat dafür gesorgt, dass an dieser Stelle an Albert Einstein erinnert wird.

Oben an seinem Balkon hat er weithin sichtbar ein Plakat befestigt, mit dem Bild Einsteins und der Formel  E=mc² (Energie ist gleich Masse mal Lichtgeschwindigkeit zum Quadrat) aus der bekannten Relativitätstheorie. Und unten auf dem Rasen vor dem Haus wurde eine gläserne Stele errichtet, die mit vielen Daten und Fakten über den Lebensabschnitt des bedeutenden Forschers hier in Schöneberg erinnert.

Kontakt

Stadtteilzeitung SchönebergHolsteinische Straße 3012161 BerlinStandort / BVG Fahrinfo
Stadtteilzeitung SchönebergHolsteinische Straße 3012161 Berlin
86 87 02 76 -79Fax 86 87 02 76 -72E-Mail senden
LeitungThomas Thieme0173/4825100E-Mail senden