Zur Orientierung für Menschen mit Behinderungen

26.11.2013

50 Jahre Patmos-Gemeinde

„Ein Schiff, dass sich seit 50 Jahren nicht nur Gemeinde nennt, sondern auch in der wechselhaften Zeit eine lebendige Gemeinde bleibt – beliebt – aber wahrlich nicht beliebig.“

Foto: Thomas Protz

Zwei Jahre nach dem Mauerbau wurde die neue Gemeinde gebaut und geweiht, mit 8.000 Mitgliedern, eine damals übliche Größe. Die damaligen jungen Pfarrer der Gemeinde fanden es gut, dass der Kirchraum ohne Bestuhlung, dass heißt ohne festes Gestühl, variabel und offen gestaltet wurde. Der damalige Gemeindekirchenrat trug das bauliche Konzept mit. Bis heute strahlt so der Innenraum diese einladende Offenheit aus. Von der Muttergemeinde Matthäus bekam die nunmehr neue Gemeinde viel Unterstützung. Es war nicht gleich klar, ob die neue Pfarrergeneration mit neuen Formen des Gottesdienstes die Gemeinde erreichen würde. Doch es gelang. Patmos wurde als Name ausgewählt, weil der Seher Johannes auf der Insel Patmos eine Bleibe fand. Es sollte sich später herausstellen, dass die Patmosgemeinde einige Jahre später dem Bischof Scharf ebenso ein Bleiberecht anbot, nachdem er von einem zum anderen Tag nicht mehr nach Ostberlin zurückreisen durfte. Für ihn war es selbstverständlich, dass ein jeder am Abendmahl teilnehmen durfte. Auch Kinder, ob katholisch oder ohne Religion. So war es für ihn Christenpflicht, auch mit Mitgliedern der Terrorgruppe RAF zu sprechen, nicht jeder der Gemeinde konnte dies verstehen. Doch der Zuspruch für diese Gespräche überwog. Was bis heute noch immer sehr wichtig für die Gemeinde ist, sind die von Bischof Scharf eingeführten Predigt-Nachgespräche.

Als ich das erste Mal von der evangelischen Patmosgemeinde in Steglitz hörte, wurde ich sehr hellhörig. Von der Friedensarbeit sprachen so viele Menschen, Christen und Nichtchristen, weit über die Bezirksgrenze von Steglitz hinaus. Es waren die achtziger Jahre, die atomare Aufrüstung in Ost und West beschäftigte viele Christen. Dazu kam die Tschernobyl-Katastrophe, der atomare Supergau. Harry Perkiewicz, der damalige Pfarrer, war ein Motor in der Bewegung. So fanden viele friedensbewegte Menschen, auch aus anderen Kirchengemeinden in der Patmos-Gemeinde einen Ort, wo Friedensarbeit in Gruppen auch sehr kontrovers diskutiert wurde, aber auch praktisch ausgeübt wurde. So zum Beispiel wurde eine Reise nach Minsk angeregt - sehr gut vorbereitet und durchgeführt - mit einem Besuch des geschändeten Dorfes Chatyn, in dem die Schergen der SS die Bewohner des Dorfes, Kinder, alte Frauen und Männer in Gebäude trieben und verbrannten. In einem Birkenwäldchen wurde eine sehr würdige Gedenkstätte erstellt. Jede Minute ertönt ein Glockenschlag. Auf dieser Reise entstand die Idee zu dem Hilfsprojekt „Medikamente für Krankenhäuser in Minsk“, mit dessen Hilfe bis heute Gelder für die Behandlung von Kindern vornehmlich aus der Gegend um Tschernobyl gesammelt werden. Viele der Kinder wurden auf Kosten der Patmosgemeinde ins Wendland eingeladen. Wir fuhren hin und spielten mit den Kids. Für mich war es die wichtigste Reise bisher. Aktuell wird weiterhin das Nachtcafé in der Kirche Zum Guten Hirten zusammen mit anderen Gemeinden mitgetragen.

Auch die Patmosgemeinde schrumpfte, viele Angebote der Gemeinde werden durch Ehrenamtliche gestemmt. Doch das lebendige Gemeindeleben bleibt. Dank eines gut funktionierenden Kindergartens, übrigens wurde das Gelände dafür vom Nachbarn Karstadt geschenkt, gibt es eine Kinder- und Jugendarbeit. Mehrere Seniorengruppen prägen das Gemeindeleben. Inzwischen hat die Gemeinde nur noch 2.000 Mitglieder, doch ihr Reichtum sind weiter die Christen-Menschen, die gerne kommen und das Gemeindeleben tragen.

BELIEBT aber nicht BELIEBIG, so auch der Tenor aus der Festschrift zu erlesen. Herzliche Gratulation zum 50jährigen Jubiläum.

Ernst Karbe / Bilderbär

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