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02.12.2023 / Gewerbe im Kiez

50 Jahre Kleines Theater am Südwestkorso

Von Christine Bitterwolf. Am 14. November 1973 öffnete das „Kleine Theater“ erstmalig seine Türen. Leider kamen nur 23 Zuschauer, weil gleichzeitig im Fernsehen die königliche Hochzeit von Prinzessin Anne, Tochter der englischen Queen, übertragen wurde. Heute, nach 50 Jahren, sind die Vorstellungen des „Kleinen Theaters“ wesentlich besser besucht. So klein wie es ist, so hat es sich einen festen Platz in der Berliner Theaterlandschaft erobert.
Foto: Jörn Hartmann

Ursprünglich war in dem 1911 erbauten Wohnhaus am Südwestkorso Ecke Taunusstraße ein Restaurant vorgesehen. 1956 zogen hier die Korso-Lichtspiele ein. Ein kleines Kino, das 1973 schon wieder geschlossen wurde.
Jetzt übernahm Sabine Fromm mit ihrem Partner Pierre Badan das Objekt. Sie bauten es in nur drei Monaten in ein kleines Theater um. Das winzige Kassenhäuschen im Foyer blieb erhalten, die Bühne mit nur 5 x 5 Metern war relativ klein angelegt, der Zuschauerraum hat nur 99 Plätze.
Die Bar für die Getränke in der Pause wurde ganz nach hinten verlegt. Ein kleines Theater im wahrsten Sinne des Wortes.
Mit dem Stück „Küssen macht so gut wie kein Geräusch“ gelang es dem Theater später sogar ins Guiness-Buch der Rekorde zu kommen. Diese Revue lief über 8 Jahre und hatte 2.222 Aufführungen. Bald danach wurde das Angebot vom En-Suite-Programm, bei dem ein Theaterstück ununterbrochen über einen festen Zeitraum läuft, zum Repertoire-Programm, wobei verschiedene Inszenierungen über einen langen Zeitraum im Wechsel angeboten werden, umgewandelt.
2006 hat die Regisseurin Karin Bares das Theater übernommen. Sie arbeitet gleichzeitig in der Funktion der künstlerischen Leiterin und der Geschäftsführerin, gelegentlich führt sie auch noch Regie bei neuen Aufführungen. Frau Bares hat sich gleich am Anfang gegen experimentelles Theater entschieden, weil sie dafür kein Interesse bei ihrem Publikum sah. Sie hat das „Kleine Theater“ zu einer Erstaufführungsbühne gemacht, d.h. alle Stücke, die hier gezeigt werden, sind zum ersten Mal auf einer Berliner Bühne zu sehen. Das trifft sowohl für die Gastspiele, als auch für die eigenen Produktionen zu. Außerdem sorgt sie dafür, dass in jeder Spielzeit mindestens eine Uraufführung stattfindet, dass  ein Stück gezeigt wird, das extra für ihr Theater geschrieben wurde. In diesem Jahr ist es das Stück um Agatha Christie. Manche dieser ganz eigenen Produktionen sind so erfolgreich, dass sie bundesweit an anderen Theatern nachgespielt werden.
Thematisch stehen alle Theaterstücke im „Kleinen Theater“ unter dem Thema: Lebensläufe und Lebensbrüche. Dabei werden Szenen aus dem Leben bekannter Persönlichkeiten gezeigt. Zum Teil handelt es dabei auch um Stars aus dem Musikgeschäft, was zu wunderbaren musikalischen Produktionen führt, wie Theaterstücke über Barbra Streisand und Leonhard Cohen. Für einige Vorstellungen wurden aber auch Werke aus der klassischen Literatur für das Theater umgeschrieben, wie „Dorian Gray“ und „Pique Dame“, zuletzt die „Traumnovelle“ von Arthur Schnitzler.

Insgesamt sind in den 50 Jahren seit Bestehen des „Kleinen Theaters“ 300 Theaterstücke auf die Bühne gebracht worden mit rd 7.500 Vorstellungen und es kamen rund eine halbe Million Zuschauer.
Und das, obwohl die Bühne wegen des wechselnden Programms nicht jeden Abend bespielt werden kann. Einerseits haben nicht immer alle Schauspieler einer Inszenierung zum gleichen Termin Zeit, andererseits sind oft aufwändige Umbauarbeiten für die Kulissen erforderlich und manchmal müssen auch die Proben für ein neues Stück auf der Bühne durchgeführt werden, weil es keine gesonderte Probenbühne gibt.

Das große Jubiläum wird am 17. November mit einer großen Revue-Show gefeiert. Es wird ein Theaterfest aus Show und Poesie, Songs und komödiantischen Szenen und auch klugen Gedanken werden rund um die Frage, warum lieben wir das Theater so sehr. Auf der Bühne werden Schauspieler stehen, die schon lange mit dem „Kleinen Theater“ verbunden sind und alle schon mehrfach in andern Stücken hier zu sehen waren.
Selbstverständlich wird das „Kleine Theater“ sein Jubiläum auch nach außen Kund tun. Das Foyer wird geschmückt werden und ein neues großes Banner an der Außenwand wird natürlich die 50 enthalten.

Wir wünschen diesem besonderen kleinen Theater noch viele erfolgreiche Spielzeiten.