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30.09.2018

50 Jahre DIBt

Weithin sichtbar ist das große rote Gebäude mit dem schwungvollen halbrunden Vorbau an der Kolonnenstraße in Schöneberg. Aber wer von den täglich vorbeilaufenden Passanten weiß eigentlich genau, was das DIBt macht?

Kolonnen- Ecke Wilhelm-Kabus-Straße. Das Deutsche Institut für Bautechnik. Foto: Christine Bitterwolf

Die wichtigste Aufgabe ist die Zulassung von nicht geregelten Bauprodukten. Bauprodukte sind Stoffe oder Teile, die dauerhaft in Anlagen eingebaut oder mit dem Erdreich verbunden werden. Das meiste ist mit deutschen Normen oder europäischen Zertifikaten geregelt. Aber auch neue, innovative Ideen müssen geprüft und zugelassen werden, ehe sie verbaut werden. Dabei muss zum Beispiel die Standfestigkeit oder die Umweltverträglichkeit begutachtet werden.

Nach dem Krieg war das Baurecht Ländersache. Jedes Bundesland hatte seine eigenen Regelungen, was und wie gebaut werden durfte, aber bald wollten die Baufirmen ihre Produkte nicht nur im eigenen, sondern auch in anderen Bundesländern anbieten und verbauen, ohne jeweils immer wieder neue Anträge stellen zu müssen. Und so wurde der Ruf nach überregionalen und zentralen Regelungen laut. Darum wurde 1968 das „Institut für Bautechnik“ gegründet. Nach der Wiedervereinigung Deutschlands schlossen sich auch die neuen Bundesländer diesem Abkommen an und es wurde das „Deutsche Institut für Bautechnik“ (DIBt). Inzwischen ist das DIBt auch Mitglied in der Europäischen Organisation für Technische Bewertung (EOTA).

Heute hat das Institut 220 Mitarbeiter, überwiegend Ingenieure und Naturwissenschaftler, und über 500 Sachverständige und unabhängige Berater, die ehrenamtlich mit dem DIBt zusammenarbeiten.

Der einzelne Bürger wird nie direkt mit dem DIBt in Kontakt kommen, aber die Baufirmen, die er mit Arbeiten in seiner Wohnung oder an seinem Haus beauftragt, müssen Materialien benutzen, die sich an die Bestimmungen halten, die möglicherweise auch vom DIBt entwickelt worden sind. Eine neue Dämmung an der Fassade, eine neue Abdichtung für die Kellerwand oder ein neuer Fußboden in der Turnhalle der Schule, die die Kinder besuchen. Immer möchte man sicher sein, dass keine Giftstoffe freigesetzt werden und Luft oder Grundwasser nicht verschmutzt werden.

Gerade im Baubereich hat in den letzten Jahren ein Umdenken stattgefunden, von der Nachsorge zur Vorsorge. Man will nicht mehr nur die Schäden im Nachhinein feststellen und beseitigen, wie bei den vielen Asbestsanierungen, sondern man will von vornherein sicher bauen.

Werden innovative Baustoffe oder Konstruktionen verwendet, für die es noch keine Vorschriften gibt, so schreibt das DIBt vor, welche Eigenschaften genau  untersucht werden sollen und welche Tests gemacht werden müssen. Erst wenn der Bericht eines unabhängigen Gutachters vorliegt, erhält die Baufirma eine Zulassung für ihr Produkt. Diese Zulassung gilt dann erstmal für fünf Jahre. Wenn das Produkt sich bewährt hat und zunehmend mehr genutzt wird, kann eine endgültige Norm dafür entwickelt werden. Dabei arbeitet das Institut in den Normungsausschüssen ebenfalls mit.

Die verschiedenen Abteilungen des DIBt befassen sich mit konstruktivem Ingenieurbau, Bauphysik bzw. technischer Gebäudeausrüstung und Gesundheits- und Umweltschutz. Beispiele dafür sind die Verankerung von Dämmplatten im Mauerwerk eines Hauses, Brandverhalten von Baustoffen, Gas- und Wasserversorgungsanlagen und die Isolierung bei Biogasanlagen. Im Bereich der Innenraumhygiene wird heute zunehmend gezielt nach emissonstechnisch geprüften Wand- und Bodenbelägen gefragt.

Das Glasdach am Sony-Center ist beispielsweise eine sehr komplexe Konstruktion für den Einzelfall. Die modernen Brandschutzfenster im Naturkundemuseum wurden speziell den Originalfenstern nachgebaut.
Hier hat das DIBt jeweils eine einmalige Zulassung ausgesprochen.

Neben diesem vielseitigen Spektrum im Baubereich ist das DIBt auch die EnEV-Registrierstelle. Das heißt, alle Energieausweise nach der Ernergieeinsparverordnung von 2013, die für Wohnhäuser ausgestellt werden und den Eigentümern zugeschickt werden, müssen hier registriert werden.

Am 5. Juli 2018 hat das Deutsche Institut für Bautechnik nun sein 50jähriges Bestehen gefeiert mit feierlichen Reden und fachlichen Diskussionen. Die Staatssekretäre vom Bundesministerium des Innern und von der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung waren da, ebenso wie internationale Gäste aus 15 Ländern, u. a. aus China, Kanada und Aserbaidschan. Der DIBt-Präsident betonte, wie sehr ihnen daran gelegen ist, nicht nur theoretisch sicherer zu bauen, sondern auch praktisch umsetzbare Lösungen zu finden. Nachdem das DIBt immer wieder als Erfolgsprojekt gelobt worden war, stellte der Generaldirektor der Europäischen Weltraumorganisation ESA in seinem Vortrag weitergehende Überlegungen an zum Bauen im Weltraum.

Christine Bitterwolf

Weitere Informationen unter www.dibt.de

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