Zur Orientierung für Menschen mit Behinderungen

/ Gewerbe im Kiez

100 Jahre Schlosspark-Theater

Von Christine Bitterwolf. Das Schosspark-Theater am Ende der Steglitzer Schlossstraße feierte sein 100jähriges Bestehen. Nein, es konnte leider nicht groß mit dem Publikum feiern, weil es wegen der Corona-Pandemie vom Lockdown betroffen ist.
Schloßparktheater 1925. Archiv Steglitz-Museum

Seit 100 Jahren wird in diesem Haus Theater gespielt. Das Gebäude war vorher ein Wirtschaftsgebäude des Gutshauses Steglitz, hier waren Pferdeställe und eine Remise untergebracht. Das Gutshaus Steglitz, das von der Bevölkerung später als Wrangelschlösschen bezeichnet wurde, weil Graf von Wrangel es Jahrzehnte lang als Sommersitz nutzte, hatte im Haupthaus einen kleinen Saal, in dem es schon seit 1804 Theatervorstellungen gab. 1885 wurde die Remise umgebaut und als Tanzsaal und Restaurant genutzt.

1921 wurde das Haus nochmals umgebaut, so dass nun das Theater aus dem Schlösschen endgültig in eine eigene Spielstätte ziehen konnte. Am 12. Mai 1921 fand die erste Vorstellung in dem heutigen Schlossparktheater statt. Bereits 1923 wurde das Haus unter Denkmalschutz gestellt.

Im Laufe der 100 Jahre wechselten sich die Zeiten großer Erfolge mit weniger erfolgreichen Zeiten ab. Es gab sogar Jahre, in denen das Theater ganz geschlossen und eigentlich schon aufgegeben war. Doch immer wieder fand sich jemand, der dieses liebenswerte kleine Theater zu neuem Leben erwecken wollte und es neu belebt hat.

1945, schon kurz nach Kriegsende, eröffnet Boleslaw Barlog, der später einer der bekanntesten Berliner Regisseure wurde, das Schlossparktheater erneut. Als Barlog das wesentlich größere Schillertheater übernahm, führte er das Schlosspark-Theater als zweite Spielstätte weiter, das dadurch auch zum Staatstheater wurde. So fanden alle namhaften deutschen Schauspieler den Weg auf diese Bühne.

Sogar der irische Schriftsteller Samuel Beckett inszenierte 1953 die erste deutsche Fassung seines Stückes „Warten auf Godot“ im Schlossparktheater.

1993 mussten die staatlichen Bühnen aufgrund der Berliner Sparmaßnahmen geschlossen werden. Das traf auch das Schlossparktheater. Der Österreicher Heribert Sasse übernahm das Haus aus der Konkursmasse und führte es als Privatbühne weiter. Er konnte aber an die früheren Erfolge nicht anschließen. Das Theater wurde 2002 wieder geschlossen.

Zwei Jahre später wollten die Stage Entertainment ein Musiktheater einführen, aber neben dem neuen Musicaltheater am Potsdamer Platz und dem altbekannten Theater des Westens konnte sich das Schlossparktheater auf dieser Ebene nicht durchsetzen. Es wurde bereits 2006 erneut geschlossen.

2008 erffnete das „Schlosspark Theater“ wieder seinen Tore, diesmal unter der Leitung von Dieter Hallervorden. Er spielt Stücke „mit Geist und Humor“, das heißt, er präsentiert eine gelungene Mischung aus niveauvollen Komödien und klassischen Neuinszenierungen. Es gibt jedes Jahr eigene Produktionen, auch deutsche Erstaufführungen, aber auch Gastspiele, Konzerte und Lesungen. Oft steht der heute 85-jährige noch selbst auf der Bühne, inzwischen ist aber auch sein jüngster Sohn Johannes Hallervorden immer wieder zu sehen. Seit 2015 hat das Schlosspark Theater auch ein Junges Ensemble.
Vor der Wiedereröffnung hatte Herr Hallervorden das Theater renoviert und saniert. Die Bühnentechnik ist neu, aber von der alten Bauarchitektur ist vieles kunstvoll erhalten worden. Das Foyer beeindruckt mit seiner Bogendecke, und in der Champagnerhalle fällt die geschnitzte Kassettendecke mit ihren humorvollen Trinksprüchen auf, ebenso wie die dekorative Holztreppe mit rotem Teppich und dem alten wirkungsvollen Geländer. Daneben wirken die Wandbildschirme mit den digitalen Hinweisen auf die nächsten Stücke wieder sehr modern.

Das Schlossparktheater hat in 100 Jahren Auf und Ab überlebt und verbindet heute Alt und Neu.
Das Schlosspark Theater wird auch nach dem Lockdown wieder da sein und sein Publikum unterhalten. Wie in den letzten 100 Jahren.

Kontakt

Stadtteilzeitung SchönebergHolsteinische Straße 3012161 BerlinStandort / BVG Fahrinfo
Stadtteilzeitung SchönebergHolsteinische Straße 3012161 Berlin
86 87 02 76 -79Fax 86 87 02 76 -72E-Mail senden
LeitungThomas Thieme0173/4825100E-Mail senden