Zur Orientierung für Menschen mit Behinderungen

10.06.2013

10 Jahre Stadtteilzeitung - 10 Jahre Schloßstraße

Seit vielen Jahren ist die Steglitzer Einkaufsmeile regelmäßig Thema der Zeitung, denn es wird dort ständig abgerissen, umgebaut oder neu gebaut.

Fotos: Thomas Protz

2003 sah die Schloßstraße noch anders aus.  Das Kaufhaus Hertie am Wather-Schreiber-Platz lockte die Kunden, daneben das Forum Steglitz, ein Stück weiter folgten Karstadt und Wertheim und an der Schildhornstraße stand der Bierpinsel mit rotem Turm. Schloßstraße Ecke Ahornstraße stand das Kaufhaus Woolworth und am Rathaus Steglitz ragte der Kreisel in die Höhe. In seinen 27 Stockwerken war das Bezirksamt Steglitz untergebracht. In der Schloßstraße dominierten die Kaufhäuser, links und rechts davon beherrschten verschiedene Einzelhändler wie Betten Anton oder Schmidt Hagius das Bild.

Die erste Veränderung vollzog sich mit dem Bau des neuen Shopping Centers am Rathaus Steglitz "Das Schloss". 2006 eingeweiht, läutete es eine neue Shopping Ära ein, außerdem sollten von diesem Center neue Impulse für die Einkaufsstraße ausgehen.
Bereits 2005 wurde durch den Abriss des Kaufhauses Hertie Platz für das Schloss-Straßen-Center (SSC) geschaffen; im März 2007 wurde dieses zweite Shopping Center eingeweiht. Das SSC, dieser modern daherkommende Glasbau, sollte ursprünglich ein Ort sein, an dem vorrangig Design angeboten wird. Doch von Anfang an gab es Probleme, zu wenig Ladenmieter und zu wenig Kunden, sodass es 2011 nochmals umgebaut werden musste. Dass Planung und Realität auseinander gehen, beweist die Eröffnung des Billiganbieters Primark im Juli 2012 .

Ebenfalls von 2005 bis 2007 wurde das Forum Steglitz renoviert bzw. modernisiert. Es sollte den neuen Gegebenheiten der Einkaufsstraße angepasst werden. Mehr Verkaufsfläche, heller und viele neue Läden wie z.B. H & M. Der Bornmarkt, der ständige Wochenmarkt mit Tradition im EG wurde geschlossen und stark verändert ins UG verlagert, weniger Angebote und ohne Marktstände.
2007 war überhaupt ein Jahr, in dem sich in der Schloßstraße viel getan hat. Karstadt wurde vorübergehend geschlossen und  umgebaut. Erst zwei Jahre später, 2009, erfolgte die Wiedereröffnung. Weniger Abteilungen, eine große Parfümerie und eine Konzentration auf Bekleidung machten aus dem ehemaligen Warenhaus ein Kaufhaus à la KaDeWe. Zeitgleich wurde Wertheim geschlossen und neu gebaut, nur ein Teil der alten Fassade erinnert an frühere Zeiten. Hinter dem Kaufhaus lag der relativ große, etwas verwilderte Park ohne richtigen Namen. 2012 wurde daraus der verschlankte Harry-Breslau-Park und  Wertheim wurde zum "Boulevard Berlin" umgestaltet.

Im Jahr 2008 folgte Schließung und Umbau des Kaufhauses Woolworth. Heute findet man an dieser Stelle Sport-Scheck.
Der Bierpinsel, lange geschlossen, erhielt 2010 eine von Streetart-Künstlern neu gestaltete Fassade, die ein Jahr lang bleiben sollte.  Zeitgleich eröffnete in den Räumen ein Kunst - Café. Ein Wasser-schaden 2011 führte zu seiner Schließung, ein langwieriger Rechtsstreit um die Fassade zwischen dem Architekten des Gebäudes und den neuen Besitzerinnen ist immer noch nicht beendet.

Am Rathaus Steglitz steht noch immer der Kreisel. 2007 musste das Bezirksamt dort ausziehen, eine Asbestsanierung war für das Gebäude geplant. Es sollte zudem verkauft werden, mit oder ohne Asbestsanierung. Der Kreisel steht nun schon sechs Jahre leer, bislang wurde kein Käufer gefunden; jetzt soll für 13 Millionen mit der Asbestsanierung  begonnen werden. Immer wieder ist die Rede von Kaufinteressenten, aber letztendlich bleibt das Gebäude bis heute ohne neuen Eigentümer und seit seiner Erbauung ein finanzielles Debakel.

Die Schloßstraße wird heutzutage als die Einkaufsstraße mit der größten Dichte an Shopping Centern und als Nummer 2 der Einkaufsmeilen Berlins gehandelt. Es dominieren die Ladenketten wie H & M oder Esprit. Das SSC mit  Primark und den anderen Billigketten beherrscht den Walther- Schreiber-Platz, etwas weiter Richtung Karstadt finden sich die Läden, in denen kaufkräftigere Kunden verkehren. Die Schloßstraße ist geteilt und hat sich zum Teil von einer bürgerlichen Einkaufsmeile zur Billigmeile gewandelt. Die Bürgersteige sind verbreitert worden, die eigenständigen Einzelhändler sind verschwunden. Doch ist die Schloßstraße attraktiver geworden? Trotz der Bemühungen der Schloßstraßeninitive, den Ort als Einkaufsstraße zu etablieren, überwiegt der Beton und es fehlen schöne Ecken. Zudem gibt es leider auch  schmuddelige Ecken wie zum Beispiel unter der Tiburtius-Brücke. Bei der Ballung an Shopping Centern und Fitness Studios gibt es Gewinner und Verlierer. Man darf wetten, wer zu welcher Kategorie gehört. Viel Bewegung, ständige Veränderung auf der Jagd nach Kunden und Gewinn. Ausgebildete Verkäufer werden durch Aushilfen ersetzt, Vielfalt wird zu globalisiertem Mainstream. Die Shopping Center werden von multinationalen Immobilienkonzernen gebaut und betrieben. Von Wealthcup Real Estate (Das Schloss) bis Multi Developement ( Boulevard Berlin). Kein deutscher Name ist mehr vertreten. Verflechtungen des Kapitals. Shoppen in Centern statt auf der Straße, Eventmanagement statt individueller Kreativität.

Christine Sugg